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Meine Geschichte mit Long Covid

Bevor ich diese Geschichte erzähle möchte ich noch ein paar grundlegende Dinge dazu sagen: ich bin kein Arzt, sondern Long Covid Patientin und alles was ich hier aufschreibe basiert auf meiner eigenen Erfahrung. Ich habe es in meinem Bericht über das Langzeitstillen schon erzählt: wenn ich ein Problem habe, bei dem ich selbst nicht mehr weiter komme befrage ich erst einmal das Internet. Dort suche ich dann vermehrt nach Erfahrungsberichten, denn ich finde die Praxis immer weit spannender als die Theorie. Mein heutiger Bericht soll allen helfen, die es wie ich machen. Bitte nutzt ihn nicht zur Diagnosestellung und anstatt zum Arzt zu gehen, sondern lediglich zusätzlich als Informationsquelle. Hier ist also meine Geschichte:

Kho Phayam, Thailand
Idylle pur auf Klo Phayam

Der perfekte Zeitpunkt für eine lange Reise nach Thailand

Wir reisen gerne und wollten noch die Zeit ausnutzen, bevor unsere Kinder in die Schule gehen. Daher sind wir im Februar 2020 für ein Monat nach Thailand aufgebrochen und hatten dort eine wirklich tolle Zeit! (Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.)

Wie gut das Timing für eine solche Reise sein würde, das wussten wir im Vorhinein natürlich nicht. Schon vor unserer Abreise war COVID-19 in den Medien, allerdings noch weit weg von Europa und kein Grund nicht zu fliegen. Während unserer Zeit in Thailand haben wir davon nicht viel mit bekommen, erst gegen Ende erreichten uns Nachrichten von daheim. Die ersten Fälle waren auch in der Heimat aufgetreten, es würden Hamsterkäufe getätigt und davon gesprochen, dass Geschäfte schließen werden. Wir waren viel zu sehr im Urlaubsmodus um uns davon beunruhigen zu lassen, auch der Heimflug verlief noch fast normal. Nur am Flughafen in Dubai wurde allen kurz Fieber gemessen, das war es auch schon.

Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr begann der erste von vielen Lockdowns und damit eine lange Zeit der Unsicherheiten.

Meine Laufpause 2021

Wir überspringen nun fast ein Jahr und sind ungefähr im Februar 2021. In den letzten Monaten bin ich viel gelaufen – Sport im Freien war immer erlaubt und hat mir die Möglichkeit gegeben, etwas Zeit alleine zu verbringen. Außerdem hilft mir das Laufen abzuschalten, stärkt meine Nerven und Bewegung an der frischen Luft tut ohnehin immer gut.

Nach einem dieser Läufe tat mir plötzlich mein rechter Knöchel weh und ich habe ein paar Tage mit dem Laufen pausiert. Die Schmerzen blieben gleich, nicht stark, aber doch deutlich spürbar. Ich habe also getan was jeder tun würde und bin noch einmal laufen gegangen 🙂 Ich wollte ausprobieren, ob die Schmerzen durch den Lauf schlechter werden würden. Das war nicht der Fall, sie blieben gleich.

Ich bin also zum Orthopäden gegangen, der nach kurzer Untersuchung die Diagnose Sehnenentzündung stellte. Ich solle eine Salbe darauf schmieren und bekam einen Zink-Leim-Verband. Obendrauf noch Einlagen und die Info, meine geliebten Barfußschuhe seien für die Füße nicht gut.

Meine Pause dauerte mehrere Wochen an, doch die Schmerzen blieben. Ich ging zur physikalischen Therapie (Strom und Ultraschall unter Wasser) und zusätzlich zur Physiotherapie (denn etwas aktiv weg trainieren mache ich immer lieber, als es passiv heilen zu lassen).

Bin ich verrückt?

Die Schmerzen blieben und ich war langsam verzweifelt. Noch dazu bildete ich mir ein, dass die Schmerzen nicht immer an der selben Stelle waren, sondern wanderten. Und auch andere Gelenke taten mir weh. Nicht immer, sondern ganz unterschiedlich. Meist in Ruhe, doch nicht zwingend nach zusätzlicher Belastung.

In meiner Verzweiflung vereinbarte ich einen Termin mit einem privaten Orthopäden um eine weitere Meinung einzuholen. Dieser schickte mich gleich zum MRT und fragte außerdem, ob ich denn schon Corona gehabt hätte. Ich verneinte.

Nachdem das MRT absolut unauffällig, die Schmerzen aber nach wie vor da waren, ging ich der einzigen Spur nach die noch blieb und machte einen COVID-Antikörpertest.

Ich hatte Corona

Niemals hätte ich gedacht, dass der Test positiv ausfallen würde. Mir ist zwar nach und nach wieder eingefallen, dass ich im ersten Lockdown direkt nach Thailand beim Laufen öfter ein Stechen in der Lunge hatte. Mein Mann nach dem Training einen extremen Zusammenbruch hatte. Wir damals noch gescherzt hatten, dass wir wohl gleich Corona importiert hätten aus dem Urlaub. Doch damals glaubte man noch, Corona ginge immer mit Fieber einher, und nachdem wir keines bekamen wurden wir auch nie getestet.

Das ganze Jahr hindurch war ich extrem müde. Ich habe unter tags manchmal geschlafen, weil ich einfach nicht anders konnte. Das habe ich früher nie gemacht, nicht einmal, als die Kinder Babies waren. Ich habe es auf die zusätzliche Belastung durch Home Office, Home Schooling und Home Kindergarten plus der emotionalen Ebene geschoben. Nun denke ich anders darüber.

Ich hatte also Antikörper! Natürlich kann ich nun nicht mehr mit Sicherheit sagen wann ich infiziert war. Wenn ich aber einen Zeitraum festlegen müsste, dann wäre das wie gesagt diese Zeit nach Thailand.

Meine Long Covid Therapie

Konnte man also meine unerklärlichen Gelenksprobleme direkt auf Long Covid schieben? Nicht sofort, denn zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Möglichkeit dies mit Sicherheit zu diagnostizieren (mittlerweile gibt es Marker die man nachweisen kann).

Ich war trotzdem irgendwie beruhigt. Mein Bewegungsapparat war soweit in Ordnung, ich würde es durch Sport nicht schlimmer machen und begann also wieder zu laufen. Das hat mir sehr geholfen!

Dennoch blieben die Schmerzen und ich versuchte gemeinsam mit meiner Ärztin sie in den Griff zu bekommen. Ich habe eine Vitamin B Kur gemacht, ohne Erfolg. Danach kam eine Eisentherapie, ohne Erfolg.

Weitere Symptome

Zusätzlich wurde ich etwas genauer durchgecheckt, denn wenn ich es mir genau überlegte, hatte ich in den letzten Monaten schon einen Leistungsabfall bemerkt. Wie gesagt hatte ich den auf die allgemeine Situation geschoben, es war einfach Ausnahmesituation für alle.

Meine Lungenfunktion war extrem schlecht – und ich wieder einmal erleichtert eine Diagnose zu haben. Hatte ich mir die Kurzatmigkeit doch nicht eingebildet.

Auch mein Herzrasen war keine Einbildung, ich habe weit mehr Zusatzschläge als normal sind. Das ist nicht weiter gefährlich und wird einfach mal beobachtet.

Alternative Heilmethoden

Ich bin wirklich sehr froh über die moderne Medizin, nehme Medikamente und bin dankbar, in einer so fortschrittlichen Welt zu leben. Trotzdem bin ich auch alternativen Heilmethoden gegenüber positiv eingestellt und daher habe ich auch davon ein paar versucht.

Besonders hervorheben möchte ich dabei ein Elixier aus Knospen, ein sogenanntes Gemmo Mazerat. In meinem Fall war es aus Brombeerknospen, denn das stärkt die Lunge. Dieses habe ich mehrmals täglich angewandt (man sprüht es in den Mund). Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, ob es gewirkt hat. Mein Lungenfacharzt war allerdings von der Erholung meiner Lunge begeistert und meinte, das müsse am Sport liegen, denn das Kortison alleine hätte das nicht so verbessert. Es kann sich also durchaus lohnen, das einfache Mazerat auszuprobieren.

Außerdem war ich bei einer Kinesiologin, die, genau wie meine Ärztin, auch bei den Nährstoffen ansetzen wollte. Es wurde ausgetestet, was mein Körper nicht so gut verträgt und ich habe diese Dinge in weiterer Folge für 6 Wochen aus meinem Speiseplan gestrichen. Das waren Weizen, Laktose und Histamin. Ich muss dabei dazu sagen, dass Laktose und Histamin vor vielen Jahren bereits einmal schulmedizinisch ausgetestet wurde. Nachdem ich aber nicht stark reagiere, ist das irgendwann in Vergessenheit geraten.

Diese Ausschlussdiät hat leider auch nichts an meinen Gelenkbeschwerden geändert. Allerdings konnte ich viele andere positive Auswirkungen spüren, zum Beispiel besserer Schlaf, bessere Verdauung, weniger Müdigkeitseinbrüche uvm.

Bin ich jetzt gesund?

Die Gelenksschmerzen habe ich leider nach wie vor. Sie wandern von den Sprunggelenken, über die Knie, die Ellenbogen – ich kann nie genau sagen, was mir wann weh tun wird. Manchmal sind sie einige Tage weg, dann kommen sie wieder. Manchmal stärker, manchmal schwächer.

Ansonsten geht es mir sehr gut, die Lungenfunktion ist wieder gut und auch sonst fühle ich mich wohl.

Ich kann gut mit dieser Situation leben und bin extrem dankbar, dass es mich nicht schwerer erwischt hat. Long Covid hat viele Gesichter und es hätte für mich weit schlimmer ausgehen können. Ich bin sehr froh, dass ich nach wie vor Laufen kann! Und wenn die Gelenke schmerzen begrüße ich sie, sage „Hallo Long Covid“ und mache weiter mit meinem Tag.

Vielleicht kann meine Geschichte jemandem helfen und Mut machen, vielleicht findet sich darin eine Idee, was noch probiert werden kann. Doch am allermeisten hoffe ich, dass ihr alle gesund bleibt!

Alles Liebe,

Ich bin Ulli und als Fitness- und Ernährungstrainerin motiviere ich dich hier zu gesundem Essen und Sport! Wie das auch mit Kindern vereinbar ist? Lies rein, ich zeig es dir!